Elternsprechtag

Donnerstag, 23.November 2017 - 17:00 bis 20:00 Uhr

Raumeinteilung für den Elternsprechtag

Vortrag

Hermine Liska -

die Geschichte einer wahren Heldin

 

Am 22. November 2016 hatten wir, die 7. Klassen, einen Geschichteunterricht der anderen Art. Unsere Professoren Martin Obermaier und Manfred Weissenbacher luden die Bibelforscherin Hermine Liska als NS-Zeitzeugin an unsere Schule, die sich im damaligen Hitler-Deutschland trotz ihres jugendlichen Alters vom Nazi-Terrorregime nicht beugen ließ.

 

Auf den Moment, dass Hitler eines Tages in Österreich einmarschieren würde, wurde Hermine von ihren Eltern bereits in früheren Jahren vorbereitet. Im März 1938 war es schließlich soweit:

Schon am darauffolgenden Schultag nach dem Einmarsch hielt ihr damaliger Volksschuldirektor eine Rede, in der er den Kindern versicherte, dass es ihren Eltern bald wieder bessergehen werde. Nur mussten sie die Bedingung des „Heil Hitler“-Grußes, anstatt des üblichen „Guten Morgen“ erfüllen. Vom ersten Tag an verweigerte Hermine den Hitler-Gruß und trickste den Direktor geschickt aus, indem sie jeden Morgen in der Früh vor der Schule auf das Läuten wartete, und dann schnell in die Klasse lief.

 

Ab diesem Zeitpunkt ging Hermine nicht mehr gerne zur Schule. Sie wurde verspottet und sogar von ihrem so geliebten Völkerballspielen in den Pausen ausgeschlossen. Nachdem fast alle Mädchen dem Bund der Deutschen Mädel beigetreten waren, wurde Hermine von ihnen als Außenseiterin und Bibelforscherin beschimpft, Da Hermine unbeugsam war, versetzte sie ihr Direktor zwangsweise in die erste Klasse. In diesem Terror gegen die Kinder war ebenso die Fürsorge eingeschalten, Hermine wurde von einer NS-Beamtin abgeholt und in ein Erziehungsheim gesteckt. Sie bekam dort das einmalige Angebot eine Hauptschule besuchen zu dürfen, aber natürlich hatte auch diese Sache einen Haken: Sie konnte nur an die Hauptschule, wenn sie alles machen würde, was die NS-Herrscher von ihr verlangten.

 

Da das Erziehungsheim in der Nähe ihres Kärntner Wohnortes war, konnte ihr Vater sie immer heimlich am Schulweg besuchen. Leider blieb dies aber nicht lange unbemerkt und sie wurde in der Folge in ein Kloster nach München verlegt. Nun durfte sie ihre Eltern nur noch einmal pro Woche brieflich kontaktieren. Das Schlafen in den für die Mädchen vorgesehenen Betten war für Hermine das Schlimmste. Jede Nacht war es eiskalt, sodass sie nie gut einschlafen konnte und ganz zu schweigen von den ungemütlichen Matratzen, oder besser gesagt, Matten. Das Einzige, das ihr in dieser Zeit halt gab, waren die Sterne am Himmel, die das Siebengestirn bildeten. Aus Angst, zu ihrer Mutter den Kontakt ganz zu verlieren, versprach diese Hermine, sobald sie auf das Siebengestirn schauen würde, schaue sie auch hinauf und so wären sie immer miteinander verbunden.

Währenddessen wurden ihr Vater und Bruder zur deutschen Wehrmacht einberufen, wobei sich beide aus religiösen Gründen weigerten, den Dienst mit der Waffe für das NS-Regime anzutreten. Hermines Vater und Bruder wurden daher zu Zwangsarbeit verurteilt, schließlich wurden beide einige Zeit später nach Dachau ins dortige Konzentrationslager versetzt.

Hermine wurde 1943 erfreulicherweise entlassen und konnte wieder zurück zu ihren Eltern und ihrem Zuhause. Sie hatte großes Glück, denn kurze Zeit später wurde das Kloster in München genau an der Stelle, wo sich ihr Zimmer befand, bombardiert. Drei Nonnen und neun Mädchen, mit denen sie jede Nacht im gleichen Raum geschlafen hatte, kamen dabei ums Leben.

Bis auf das Bedauern, dass ihr Bruder zu dem Zeitpunkt der Entlassung mit der Körpergröße 1,80 Metern nur noch 45 Kilogramm gewogen hatte, aufgrund der mangelnden Hygienebedingungen in den Konzentrationslager, war letztendlich die ganze Familie wieder vereint.

Frau Liska brachte uns auch viele Zahlen und Daten näher, so hat es im Deutschen Reich ca. 25.000 Bibelforscher, sprich Zeugen Jehovas, gegeben, wovon die Männer verfolgt wurden, weil sie Wehrdienstverweigerer aus religiösen Gründen waren. Wir erfuhren noch vieles über die Missachtung von Menschenrechten, der Verfolgung von religiös Andersdenkenden und Minderheiten unter der Hakenkreuz-Herrschaft. Begleitet wurde Frau Liska von Monika Prietl, die uns parallel zum mündlichen Vortrag die Fakten zu den schrecklichen Verbrechen der NS-Zeit in Form einer PP-Präsentation auflistete.

Hermine Liska, kann man als eine vorbildliche starke und mutige Frau bezeichnen, die sich dem Nationalsozialismus erfolgreich gegenübergestellt hat. Aber auch heute noch möchte sie sich an keinem rächen und das zeugt von wahrer Humanität. Geprägt von ihrer christlichen Überzeugung lebt sie authentisch nach dem Motto: Vergeben: Ja! Vergessen: Nie!

Text: Sabrina Saiger, Kosovare Shurdhaj, Annalena Krinzinger

 

Fotos: Liska, Weissenbacher

 

Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium Judenburg - 8750 Judenburg - Lindfeldgasse 10 - Tel +43 5 0248 047

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