Elternsprechtag

Donnerstag, 23.November 2017 - 17:00 bis 20:00 Uhr

Raumeinteilung für den Elternsprechtag

Philolympics 2015: 6. Platz für Max Förster

Die Fähigkeit zu philosophischem Denken und Klarheit im sprachlichen Ausdruck sind wesentliche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Teilnahme an der Philosophieolympiade.

Max Förster, Schüler der 8AF, hat beides bewiesen und den erfolgreichen 6. Platz beim steirischen Landeswettbewerb erreicht. Seinen Essay verfasste er zu folgendem Zitat von Arthur Schopenhauer „Der Mensch ist im Grunde ein wildes entsetzliches Tier.

Wir kennen es bloß im Zustande der Bändigung und Zähmung, welcher Civilisation heißt; daher erschrecken uns die gelegentlichen Ausbrüche seiner Natur. Aber wo und wann einmal Schloß und Kette der gesetzlichen Ordnung abfallen und Anarchie eintritt, da zeigt sich, was er ist.“

Ziel, dieses Wettbewerbes ist es SchülerInnen zu ermutigen, eigene philosophische Überlegungen in Form eines Essays niederzuschreiben. Zu einem aus vier zur Auswahl stehenden Zitaten müssen die teilnehmenden SchülerInnen klare Thesen formulieren, wobei die Beurteilung durch eine Fachjury ausgehend von folgenden Kriterien durchgeführt wird: Konzentration auf das Thema, innere Stimmigkeit der Arbeit, argumentative Überzeugungskraft, philosophisches Verständnis des Themas sowie Originalität

Österreichweit haben 1005 SchülerInnen an diesem Wettbewerb teilgenommen, ein großer Erfolg, der die Bedeutung des Philosophieunterrichts unterstreicht. In einer Zeit, in der das Informationsangebot durch das Internet immer größer wird, stellt die Fähigkeit zu klarem und kritischem Denken eine für weitere Ausbildungen und das Berufsleben wesentliche Kompetenz dar.

 

Wir gratulieren Max Förster ganz herzlich zu seinem Erfolg.

 

Der Essay im Originalwortlaut:

Essay zum Zitat:

„Der Mensch ist im Grunde ein wildes entsetzliches Tier. Wir kennen es bloß im Zustande der Bändigung und Zähmung, welcher Civilisation heißt; daher erschrecken uns die gelegentlichen Ausbrüche seiner Natur. Aber wo und wann einmal Schloß und Kette der gesetzlichen Ordnung abfallen und Anarchie eintritt, da zeigt sich, was er ist.“
Arthur Schopenhauer: Parerga und Paralipomena, Band II, Zürcher Ausgabe, Diogenes, Zürich 1977, 230

 

Was ist der Mensch? Mit dieser Frage beschäftigen sich unzählige Teilbereiche der Wissenschaften. Eine Antwort auf diese Frage kann nur subjektiv sein, da das einzige Wesen, von dem wir wissen, dass es durch den Status sapiens imstande ist die Existenz und die Eigenschaften eines Dinges zu hinterfragen, der Mensch selbst ist.  Aufgrund der Eingeschränktheit unserer Sprache müssen wir trotzdem eine Definition finden, die sich am ehestem der Objektivität nähert. Vom biologischem Standpunkt aus gesehen ist er die einzige überlebende Art der Gattung Homo, ein höheres Säugetier der Primaten – ein Tier also. Aber was hat er mit dem Tier gemeinsam, was unterscheidet ihn?

Der normale Mensch, oder sagen wir, der überwiegende Großteil der Menschen, der durch viele Gemeinsamkeiten den Begriff „normal“ definiert, hat den Drang zur Gemeinschaftsbildung. Wieso bildet er aber Gemeinschaften? Sofern Konsens zwischen verschiedenen Zielen einzelner Individuen gefunden wird, ist eine Gemeinschaft aufgrund quantitativer Überlegenheit stärker und kann gemeinsame Ziele der Individuen leichter erreichen. Auch in der Tierwelt lässt sich dieses Verhalten beobachten. Viele Wölfe jagen im Rudel, da sich ihre Chance auf Beute erheblich steigert. Aufgrund der Erkenntnis, dass die Zusammenarbeit der menschlichen Rasse allen Fortschritt verschafft, dass aber abnormale Individuen auch aufgrund einer dissozialen Persönlichkeit der Gemeinschaft schaden können, erschuf man Regeln – wir kennen sie heute als unsere Gesetze. Mit der steigenden Mitgliederzahl einer Gemeinschaft sind Interessenskonflikte unvermeidlich. Alle Menschen sind gleich, und doch ist es keiner: durch variierende Erziehungsmethoden, Umwelt und Status wird die Persönlichkeit der Menschen verändert – um diese Unterschiedlichkeiten zu eliminieren, erschuf man Regeln, die auf einem gemeinsamen Grundverständnis von Moral aufbauen.

Laut Schopenhauer tritt die Wildheit des Menschen an das Tageslicht, wenn diese Gesetze fallen. Nachdem wir uns die Frage gestellt haben, was der Mensch eigentlich ist, bedarf es einer anderen Frage: Wie ist der Mensch? Wird er als reines, mitfühlendes, menschliches, harmonievolles Wesen geboren und korrumpiert er im Laufe seines Lebens durch das Sammeln negativer Erfahrungen? Oder ist er von Anfang an ein von Instinkten getriebenes, wildes Tier, bei welchem es Maßnahmen braucht – Erziehung –, damit es zu einem friedlichen, harmonievollen Wesen gedeiht?  Locke erstellte hierfür ein eigenes Konzept, das er Tabula Rasa nannte. Der lateinischen Bedeutung des Konzeptnamens entsprechend vergleicht er den Menschen bei seiner Geburt mit einem unbeschriebenen Blatt. Erst durch Leben, das fortwährende Sammeln von Erfahrungen, wobei ein Jeder verschiedenen Gegebenheiten beim Aufwachsen ausgesetzt ist, formt der Mensch seine individuelle, einzigartige Persönlichkeit.

Daraus schließen wir: alle Menschen sind bei der Geburt gleich. Je länger sie leben, je mehr sie erfahren, desto weiter driften ihre Auffassungen auseinander. Um diese Auffassungen zu überbrücken, haben wir Regeln erschaffen. Es stellt sich also die Frage, was denn passiert, wenn diese Regeln fallen. Wenn ich die freie Gewalt über meine Aktionen habe, und ich keine Konsequenzen Dritter fürchten muss – was hindert mich daran, einem anderen Menschen etwas zu nehmen, sei es sein gutes Gemüt, sei es sein Hab und Gut, sei es sein Leben?  Sollten unsere Gesetze einst fallen, wäre eine erneute Unterteilung des Menschen nötig- in diejenigen, die in den Ursprungszustand des Menschen zurückverfallen, Homo sapiens, und denjenigen, die ihren Verstand nutzen, ihn über ihre tierischen Instinkte setzen und Dinge hinterfragen: Homo sapiens sensitivus, der wissende, erkennende Mensch.

Der Mensch, der nie seine Existenz, sein Verhalten und seinen Platz hinterfragt ist in der Tat ein in Ketten gelegtes Tier. Sollte er sich bedroht fühlen, wird er sich selber aus seinen Ketten befreien, als die er die Zivilisation erkannt hat. Er weiß, dass Ketten dazu dienen, Freiheit zu nehmen. Also befreit er sich. Jedoch realisiert er nicht, dass er an diesen Ketten über einem Abgrund hängt und sie ihn vor einem Sturz in den Tod schützen. Niemals fragte er sich, warum es nötigt ist, seine eigene Freiheit durch die Ketten einschränken zu lassen, welchen Sinn sie eigentlich hatten, und so stürzt er in den Tod. Es erkannte aber der weiterdenkende Mensch, dass sie ihn vor dem Sturz in die Tiefe bewahrten. Man kann es sich auch auf andere Weise verbildlichen: der Insasse des Käfigs realisierte aber, dass nicht er im Käfig gefangen war, sondern dass die Außenwelt außerhalb seines Käfigs ein einziges, riesiges Gefängnis war.

Der erkennende Mensch, der in Ketten gelegte oder Insasse des Käfigs, ist imstande, seine Aktionen zu überdenken und ihren tieferen Sinn sowie ihre Folgen zu erforschen und auf  das Ganze bezogen zu denken. Er wird sich, bevor er einem Menschen etwas nimmt, fragen, was ihn daran hindert. Er wird über seine eigene Grenze hinausdenken, sich in den anderen Menschen hineinfühlen, und so aus der Position seines Gegenübers dieselbe Frage stellen. So erkennt er, dass er selber seines Zustandes, Besitzes, Lebens nicht beraubt werden möchte – daher raubt er auch nicht anderen. Der weiterentwickelte Mensch, Homo sapiens sensitivus, wird die Gesetze nicht brauchen, durch sein ständiges Fragen wird er sich in seiner Lebensweise, die seinen Mitmenschen nicht schadet, immer wieder bestätigt fühlen.

Es folgt eine weitere Frage – wo ist der Mensch? Dadurch, dass der Mensch in das sichere Konstrukt der Gesetze hineingeboren wird, und ihm keine andere Möglichkeit bleibt als sie zu akzeptieren, hegt er immer eine gewisse Feindschaft gegen sie. Er weiß nicht, wie die Welt ohne sie ist, den Schutz der Gesetze sieht er als natürlich an, jedoch nährt sich seine Feindschaft gegenüber ihnen, wenn er an ihre Grenzen stößt, wenn sie ihn einschränken. Die Frage, wo der Mensch denn sei, muss sich jeder selber stellen. Bin ich nur wissend, weiß ich nur und lerne ich und hege Groll wenn ich mich an etwas stoße, oder erkenne ich, weil ich frage, warum es das gibt was ich weiß, wozu es dient, oder warum ich gerade in Negativität verfalle, und ob der Verfall gerechtfertigt ist? Steigt der Mensch und mit ihm die Menschheit zur Stufe des sensitivus auf, so wird er, und mit ihm die Menschheit, Frieden finden – unter der Voraussetzung eines  geeigneten Systems, in dem er lebt.

Somit stellen wir uns eine weitere Frage – ist es denn der Kapitalismus, unser Wirtschaftssystem, der den Menschen wieder zum Tier werden lässt? Eins ist sicher: eine Evolution des Menschen muss mit der Weiterentwicklung des organisatorischen Konstruktes, in dem er lebt, hergehen. Wir wissen auch, dass das Problem der Welt im Geld liegt und daher eben im kapitalistischen System. Unsere Wirtschaft lebt von Gewinnen – wo aber an einer Stelle Gewinn gemacht wird, muss an anderer Stelle Verlust entstehen. Damit dieses System erhalten bleibt, muss es immer Individuen geben, die es ausbeuten kann um den Wohlstand der anderen zu sichern. Da dies auf immensen Umwegen geschieht – Währung – sind die Menschen blind, sie erkennen nicht wen sie mit ihrem Konsum ausbeuten, schließlich nehmen sie niemandem etwas in persona. Sie hinterfragen schlicht nicht das System in dem sie leben, sie leben einfach, akzeptieren ihre Umgebung und blenden Leid aus. Es ist nicht zwingend der Kapitalismus der uns zum Tier werden lässt, er ist eher die berüchtigte rosarote Brille, durch die wir die Welt bunt und fröhlich sehen.

 Es gab einst einen Versuch, ein System zu etablieren, das dies Vermeiden soll – den Kommunismus. Letztens scheiterte er aber an den Eigenschaften des Homo Sapiens. Schlichtweg sind er und seine Gemeinschaft nicht fähig, ihre schlechten Eigenschaften beiseite zu legen, insbesondere die Gier. Das Problem des Homo Sapiens ist, dass Macht ihn korrumpieren lässt. Er hinterfragt nicht oder bestenfalls nicht oft genug die Konsequenzen seines Tuns, er maximiert seinen Nutzen aus dieser Position für sich selbst. John Dalberg-Acton fasste die Einwirkung von Macht auf den Menschen perfekt zusammen: „power tends to corrupt, and absolute power corrupts absolutely“. Sobald die Mitglieder des Systems erkennen, dass deren Führer korrumpiert sind, bildet sich ein Drang nach Systemausbruch. Sobald dieser stark genug ist, sprengt er auch die eigentlich schützenden Ketten.

 Der weiterentwickelte Mensch, Homo sapiens sensitivus, würde erkennen, dass die Ausnutzung des Systems das System selber gefährdet. Er würde die Perfektion zu schätzen wissen, alles gehört allen, jeder teilt mit jedem. Solange er den ökonomischen Teil des Systems übernimmt, wäre auch keine Meinungsunterdrückung nötig, mit der man Menschen das System aufzwänge. Er würde das System als geradezu natürlichen Bestandteil seiner selbst ansehen. So also gäbe es kein Gesetz, da es der Natur des Erkennenden entspricht, und trotzdem würde Ordnung herrschen. Alles würde er Teilen: sein Hab und Gut, seines Geistes Früchte. Es gäbe keine Ketten, keine Spannung die sich zwischen den Menschen aufbaut und folglich entlädt, jedes Individuum würde seine Individualität ausleben und trotzdem herrscht Harmonie.

Conclusio: Der Mensch, Homo Sapiens, ist im Grunde genommen ein Tier, er ist fehlerhaft und divers. Stellt der Mensch und mit ihm die Menschheit seinen Geist über seine Instinkte, die er dem Tier gemeinsam hat, fängt er an Alles was er tut zu hinterfragen, und – vor allem – erkennt er die Richtigkeit und Wichtigkeit des Friedens, würde er ihn erschaffen. Der Mensch ist im Grunde genommen nur ein Tier. Jedoch entwickeln sich diejenigen, die sich all diese Fragen stellen und sowohl Klarheit als auch Frieden in der Suche auf deren Antwort finden wollen, zu etwas höherem.

 

Maximilian Förster

 

Hier der Link zur Philosophieolympiade: http://www.philolympics.at

 

Prof. Mag. U. Schriefl

 

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