Prof. MMag Tadeusz Prokop

Raus aus Judenburg! Mit diesem Sager bei einer Predigt im Rahmen eines ökumenischen Dankgottesdienstes anlässlich der „Feierlichen Überreichung der Reifeprüfungszeugnisse“ sorgte er einmal bei einigen für reichlich Gesprächsstoff: MMag. Tadeusz Prokop, der einerseits evangelischer Pfarrer in Judenburg ist und andererseits u.a. am BG/BRG Judenburg evangelischen Religionsunterricht lehrte.

Freilich erkannten alsbald viele, dass es sich bei diesem Sager um kein „Judenburg-Bashing“ handelte, sondern um einen sehr ernst gemeinten Aufruf, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken — vielleicht vergleichbar mit den Worten „Euch steht die ganze Welt offen“, die in gewisser Regelmäßigkeit bei Maturanten-Verabschiedungen zu hören sind. Pfarrer Prokop ist gewiss einer, der über den eigenen Tellerrand hinausblickt, innovativ Neues und auch Unkonventionelles wagt, mit neuen Technologien bestens vertraut ist und daher im Gottesdienst gerne etwa den Ablauf des Gottesdienstes oder Predigt-Notizen von seinem Ipad abliest.

In der Zeit der beginnenden Corona-Krise wurde viel über neue Angebote von Gottesdienst-Livestreams berichtet. Ein Online-Angebot, das die evangelische Gemeinde Judenburg schon längst in die Tat umgesetzt hatte und mit dem Menschen über den Kirchenraum hinaus erreicht werden können. Für die Gastfreundschaft in der modernen evangelischen Kirche gilt es Pfarrer Prokop Dank zu sagen — am Ende des Schuljahres konnten wir dort immer wieder gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern Gottesdienst feiern. Dass Gottesdienste an der Schule ökumenisch gefeiert werden, war für ihn selbstverständlich. So versuchten wir gemeinsam, Schülerinnen und Schülern lebensnahe und gleichzeitig in unserem christlichen Glauben grundgelegte Impulse anzubieten. „Was ist das Thema?“, war dabei eine für ihn typische Frage, weil er mit „Thema“ immer (s)eine Schwerpunktsetzung verband und einen entsprechenden Akzent setzen wollte.

Der Donnerstag war „sein Schultag“ am BG/BRG Judenburg, an dem er ganz für seine evangelischen Schülerinnen und Schüler da war. Die Beziehung zur Jugend wird als sehr herzlich beschrieben und hat dann und wann auch in einer gemeinsamen „Wallfahrt zum Kaffeeautomaten“ ihren Ausdruck gefunden. Einigen in der Kollegenschaft werden die humorvollen und gleichzeitig tiefsinnigen Gespräche mit Pfarrer Prokop, der auch als begeisterter Fotograf und Motorradfahrer, Jogger und Fußballfan gilt, in Erinnerung bleiben, die sich bei Pausenaufsichten ergaben.

Bei aller Intellektualität sorgte er etwa mit Symbol-Predigten für einen bodenständigen Bezug mitten im Leben, wenn er beispielsweise erste Kinder-Schuhe mitbrachte. Wozu das? Weil wir alle aus den Kinderschuhen hinauswachsen, diese jedoch gerne aufbewahren, weil sie dafür stehen, woher wir kommen. Ebenso ließ er mitunter seine biographische Herkunftsgeschichte einfließen, denn es ist in unserem Leben nicht immer leicht, woanders neu anzufangen. Gleichzeitig — auch ein Gedankenmosaiksteinchen einer Predigt — gilt: wir wissen, dass der Weg nicht immer gerade verläuft, aber wir dürfen trotzdem — auf Gott und auch auf uns — vertrauen. Mit der Pensionierung fällt zwar das BG/BRG Judenburg als langjährige Haltestelle in seinem „Hirten-Dienst“ weg — aber es bleiben weiterhin seine übrigen Aufgabenfelder, an denen er für seine „Schäfchen“ da ist und das gemeindliche Konzept der evangelischen Pfarre kontinuierlich weiterentwickeln wird: modern, offen und einladend, nicht nur, aber gerade auch für suchende und kirchendistanzierte Menschen.

So dankt das BG/BRG Judenburg Pfarrer Prokop für seine Lehrtätigkeit wie auch für seinen pastoral-liturgischen Dienst an der Schule, die Fachschaft Röm.-kath. Religion dankt für den guten ökumenischen Willen und das liturgisch-ökumenische Miteinander! Wir wünschen dem Lehrer Prokop für den Ruhestand alles Gute, Freude und Muße — dem engagierten evangelischen Pfarrer, der zudem Gardekurat der Murauer Bürgergarde ist, Gesundheit, Schaffenskraft und Gottes Segen!

Pfr. Prof. Mag. Gerald Wimmer
 

 

 

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